Festival-Programm

Freitag, 12. Juni

15:00 – 18:00 Kinderspiel des QuerWege e. V.
15:30 – 16:30 Perry’s (Indie-Punk / Jena)
16:45 – 17:45 Vortrag: Thüringen - das braune Herz Deutschlands?

2015 in Thüringen. Seit Beginn des Jahres protestieren montags mehrere hundert Menschen gegen Flüchtlinge. Zuerst in Südthüringen und nun thüringenweit. Dazu mehrt sich die Anzahl von Aufmärschen aus dem rechten Lager, es kommt zu Angriffen auf Andersdenkende. Gotha, Saalfeld oder Hildburghausen sind nur einige Beispiele. Dieser einleitende Vortrag soll über aktuelle Entwicklungen der rechten Szene in Thüringen aufgeklären. Die schwächelnde NPD soll dabei nur am Rande eine Rolle spielen, viel interessanter ist der Blick auf die steigende Immobilienzahl oder die Kameradschaftsszene. Die „Freien Netze“ werben für den sogenannten „Dritten Weg“, der als Nachfolgeorganisation des verbotenen Freien Netz Süd in Erscheinung tritt und die militante Demonstration in Saalfeld, mit mehreren Verletzten, zu verantworten hat.

Den Vortrag hält das Inforadio Jena, welches sich seit mehreren Jahren schwerpunktmäßig mit der rechten Szene in Thüringen beschäftigt.

18:00 – 19:00 Improtheater
Das Rababakomplott ist ein hörspielhaftes Improvisationsschauspiel. Zu viert am Mikrofon – mit allem, was es hat: Vogelgezwitscher, Meeresrauschen, Dielenknarren; bayerisch, französisch, gibberish; Liebesseufzer, Wutschrei, Angstwimmern; Sopran, Gitarre, Sprechgesang; Geschichten, Gedichte, Monologe. Was dabei rauskommt? Ein improvisiertes Hörspiel. Mit euren Vorgaben. Mit unserer Gestaltung.

19:15 – 20:15 Brechraitz (Streetpunk / Frauenprießnitz)
20:30 – 22:00 The Offenders (2Tone, Mod79, Ska / Cosenza, Berlin)
22:00 – 23:30 Sommerkino QuerWege e. V. im Schulhof der UniverSaale: 'Speed – Auf der Suche nach der verlorenen Zeit'

Wir hetzen fast alle durch einen Alltag, der elektronischen Kommunikationsmitteln gehorcht und auf immer mehr Effizienz getrimmt ist. Möglichst viel in möglichst kurzer Zeit zu schaffen, ist zur Maxime unserer modernen Welt geworden. Und während wir von Termin zu Termin rennen, bleibt für die wirklich wichtigen Dinge im Leben immer weniger Platz. Dabei geben wir uns doch so viel Mühe, um mit all den tollen neuen Technologien und Effizienzmodellen Zeit zu sparen. Ein Paradox, dem der Filmemacher Christian Opitz in seiner Dokumentation nachgeht. Er begibt sich auf die Suche nach der verlorenen Zeit, befragt Zeitmanagement-Experten, Therapeuten, Wissenschaftler, Börsianer und Aussteiger und sucht nach Alternativen zur Beschleunigung. Ein absolut sehenswerter Film für alle, die sich bei chronischer Zeitnot ein anderes Tempo wünschen.

Aftershow im Rosenkeller e.V. Jena

Samstag, 13. Juni

ab 09:30 Uhr Frühstück auf der Wiese
11:00 – 16:00 Tischtennisturnier
13:00 – 17:00 Graffitiworkshop
13:30 – 14:30 Vortrag: Versteckspieler - Homophobie im Fußball?

Wie tolerant ist Fußball im Jahr 2015? Das Outing von Thomas Hitzlsperger löste ein Mediengewitter zum Thema Homosexualität im Fußball aus. Doch was ist anderthalb Jahre später davon geblieben? Gibt es Fortschritte bei Vereinen, Spieler und Fans?

Antworten auf diese Fragen gibt Marcus Urban. Bekannt wurde er 2008 durch seine Biografie „Versteckspieler“ als erster geouteter Fußballer mit professionellem Hintergrund in Deutschland. In den 1980/90er Jahren spielte er beim Fußballclub Rot Weiß Erfurt und in den DDR-Jugendnationalmannschaften gegen und mit späteren Nationalspielern wie Steffen Freund, Robert Enke, Bernd Schneider oder Thomas Linke.

14:00 – 19:00 Skateworkshop mit Crossroads
14:45 – 15:45 Bjelomorkanal (Ska / Jena, Berlin)
15:00 – 18:00 Workshop: Sexismus im Hip Hop
Rap ist kein Spiegel, sondern Teil der Gesellschaft. Deshalb ist es keine Verwunderung, dass, trotz gesellschaftskritischer Statements, Rap dennoch gesellschafliche Verhältnisse reproduziert. Am Stärksten zeigt sich das, wenn Männlichkeit demonstriert und konstruiert wird oder männliche Rapper sich „representen“ durch die Erniedrigung ihres Gegenüber (z.B. im Battle-Rap). Die verwendeten Worte zeigen dabei zu gerne auf, wie unmännlich ihre Gegner sind. Auch andere Rap-Genres bedienen sich, wenn auch weniger offensiv, Klischees und Geschlechter-Stereotypen. Doch verallgemeinern lässt sich diese Musikrichtung keineswegs, da sie durch ihre Wortdichte Kontroversen, Irritationen und Gegenbeispiele aufwirft.

In diesem Workshop soll dargestellt werden, wie Sprache funktioniert, auf welchen Ebenen sie wirkt und wie sie (deutsche) Raptexte und Darstellungen beeinflusst. Deshalb wird ein Teil des Workshops sein, selbst Texte zu analysieren und debattieren.

15:00 – 18:00 Kinderspiel des QuerWege e. V.
16:00 – 17:00 Vortrag: Antisemitismus im Stadion

Im Guten wie im Bösen war in Fußballstadien schon immer mehr möglich, als die Gesellschaft außerhalb toleriert: Männer weinen, umarmen und küssen sich, singen schief und laut, verkleiden sich bis zur Lächerlichkeit. Gleichzeitig wird in Stammtischmanier geschimpft und gepöbelt: „Juden Jena“ oder „Juden Berlin“ waren schon zu DDR-Zeiten beliebte Sprechchöre.
Über die Entwicklung des Antisemitismus im Fußball sowie speziell sein Ausdruck im ostdeutschen Millieu berichtet Ralf Fischer. Er fährt selbst seit Mitte der 80er Jahre regelmässig zum Fußball und schreibt für verschiedene Zeitungen darüber.

17:15 – 18:15 The Panjabys (Psychedelic Rock / Jena)
18:30 – 19:30 Die Mär vom unpolitischen Hooligan

Berichte über spektakuläre Aktionen von Neonazis, vermeintlich zunehmende Gewalt – der Fußball steht nicht nur aufgrund sportlicher Leistungen im Mittelpunkt medialer Aufmerksamkeit. Für Schlagzeilen sorgt auch der gegenwärtige „Fankulturkampf“ zwischen antirassistischen Ultragruppen und rechten Hooligans. Inwieweit sind Fußballfans politische Akteure? Hat tatsächlich ein Kulturkampf zwischen den Fanszenen begonnen? Gibt es eine Rückkehr der Hooligans? Und was steckt hinter der häufig bemühten Losung „Fußball ist Fußball und Politik bleibt Politik“?
Richard Gebhardt erforscht als Publizist und Politischer Bildner die politische Kultur in Deutschland. Er lebt und arbeitet in Aachen.

19:45 – 20:45 Hannes Kinder (Indie-Pop / Erfurt)
21:00 – 22:00 Smofte Express (Live-Hip-Hop / Berlin)
22:00 – 23:30 Sommerkino QuerWege e. V. im Schulhof der UniverSaale: 'Alphabet'

„98 Prozent der Kinder kommen hochbegabt zur Welt. Nach der Schule sind es nur noch 2%.“ Mag diese These auch den Kriterien der Intelligenzforschung nicht standhalten, zeigt sie doch deutlich den Anspruch des Dokumentarfilms von Erwin Wagenhöfer. Er beschreibt, wie durch die Bildungssysteme der (westlichen) Industrienationen die ursprüngliche, natürliche Kreativität von Kindern verloren geht, und durch Drill und Standardisierung konforme Arbeitsbienen herangezogen
werden. Der Film zeigt die Folgen standardisierter und allein auf Effizienz und Leistungssteigerung ausgerichteter Bildungssysteme, in denen Selbstentfaltung und schöpferisches Denken keinen Platz haben. Dem gegenüber setzt die Doku ermutigende Beispiele dafür, welche Erfolge alternative Bildungsideen für die geistige Leistungsfähigkeit und Kreativität von Kindern haben.

Aftershow im Café Wagner

Sonntag, 14. Juni

ab 9 Uhr Frühstück auf der Wiese
10:00 – 14:00 Fußballturnier (Anmeldungen unter kontakt@hintertorperspektive.de)
13:00 – 14:00 Sad Neutrino Bitches (Trash-Punk / Jena)
14:30 – 16:00 Vortrag und Diskussion: RB Leipzig – der Untergang des Fußballs?

Kaum etwas bringt die Fanszene hierzulande derzeit so in Wallung wie RB Leipzig. Glaubt man ihren Statements, droht mittelfristig nicht weniger als der Untergang des Fußballs mitsamt seiner geheiligten Tradition und Fankultur. Dabei sind die meisten Profiklubs längst selbst profitmaximierende Konzerne geworden – ihre Funktionäre sind Unternehmer, ihre Kundschaft die Fans. Damit stellt sich die Frage, welches Idyll beschworen wird, wenn RB Leipzig als „Rattenball“ oder „Bullenseuche“ verunglimpft wird.
Um die Proteste gegen RB Leipzig und ihre Motivation, um Fußball im Kapitalismus allgemein sowie die Romantisierung des scheinbar ursprünglichen, authentischen und natürlichen Fußball soll es im Vortrag von Alex Feuerherdt gehen. Er ist freier Publizist, lebt in Köln und schreibt für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften, darunter „Konkret“, „Jungle World“ und die „Jüdische Allgemeine“.

16:15 – 17:30 Kalter Kaffee (Liedermaching / Thüringen)
17:45 – 19:00 Wooden Peak (zweimannorchester, Acoustic / Leipzig)

FAQ

  • Was ist das Flutlicht?
    Ein Fest mit Tanz, Musik und Infos; ohne Stress und Deppen. Veranstaltet von der Hintertorperspektive.
  • Was läuft für Musik?
    Pop, Punk, Ska, Hardcore, Stoner, Hiphop und Liedermacherzeug. Infos stehen oben im Programm.
  • Kostet das Flutlicht Eintritt?
    Nein.
  • Gibt's was zu essen?
    Eine reiche Auswahl an veganen Gerichten und Gegbratenem, leckere Getränke sowieso.
  • Kann ich meine Familie mitbringen?
    Klar! Es gibt auch ein buntes Kinderprogramm.
  • Den Hund auch?
    Gern, wenn er nicht allzu groß ist. Bedenkt bitte, dass Kinder da sind.
  • Gibt's Toiletten?
    Jawoll, modernste Toilettenhäuschen in ausreichender Anzahl.
  • Was gibt's nicht?
    Glasflaschen, Waffen und Feuerwerkskörper braucht kein Mensch.
  • Wie komme ich hin?
    Mit Zug oder Bus nach Jena Paradies, bzw. zur gleichnamigen Tram-Haltestelle.
  • Wo kann ich parken?
    Nirgends. Wirklich nicht. Bitte kommt lieber mit dem Fahrrad.
  • Ich habe eine Band. Können wir noch mitmachen?
    Tut uns Leid, das Programm ist schon voll. Aber im nächsten Jahr gerne!
  • Ich komme von weit her, wo kann ich unterkommen?
    Meldet euch, wir suchen euch eine Couch. Außerdem wird es einen Platz zum Zelten geben.
  • Wer seid ihr eigentlich?
    Das Flutlicht Festival ist ein Projekt der Hintertorperspektive mit Unterstützung von KoKont Jena und der UniverSaale Jena.
  • Und wer rasiert den Barbier von Sevilla?
    Fragen und Anworten bitte an kontakt@flutlicht-festival.de

bring back my FLUTLICHT FESTIVAL 2015

… und los!

Es ist wieder soweit. Eure Lieblingsperspektive steht nach einer personellen Neuaufstellung und den Umbaumaßnahmen an der Rasenmühleninsel wieder in den Startlöchern für das fünfte Flutlicht Festival – welch ein Anlass. Diesmal setzen wir auf viele Partner und ein Netzwerk an Institutionen, die gemeinsam die umfangreiche Organsisation und Umsetzung übernehmen.

flutlicht2015_FlugmonsterAlso haltet euch schonmal den 12. – 14. Juni 2015 im Kalender frei.

Denn dann geht es wieder Schlag auf Schlag im Paradies. Musik, Vorträge, Theater, Workshops, Kino und sportliche Betätigung sorgen keinesfalls für Langeweile. Für dazwischen kann man sich an Getränken und leckerem Essen erlaben, seine Aufmerksamkeit den Ausstellungen und Infoständen widmen oder einfach nur mit Freunden auf der Wiese Platz nehmen und die Stimmung genießen. Auch für die Kleinsten wird was geboten sein, also packt Familie und Freunde ein und beehrt uns mit massig Anwesenheit! Der Eintritt ist wie immer frei.

“Bring back my Flutlicht Festival” haben wir uns dieses Jahr auf die Fahnen geschrieben. Wer aufgepasst hat, dem springt die Doppeldeutigkeit förmlich ins Auge. Nach der Farce um die Demontage der namensgebenden Leuchtelemente im Stadion unseres geliebten FC Carl Zeiss Jena ist der Anblick der Oberaue ohne die “Giraffen” doch noch etwas seltsam. Genauso seltsam war für viele die dreijährige Abstinenz des Festivals – noch und nöcher wurden die Protagonisten darauf angesprochen, warum, wieso, weshalb – und über Allem der Wunsch, das Festival doch wieder zurück aus der Asservatenkammer der Hintertorperspektive zu holen. Jetzt ist es soweit. Kommt rum und macht die Rasenmühleninsel für ein Wochenende zum eigenen Mikrokosmos.

Fußball! Flutlicht! Yeah!